Suchen

RFID: Mit einem Digital Twin zu mehr Transparenz in der Lieferkette

25. Juni6 Min. Lesezeit
Tom ViewegerTom Vieweger
Playbooks und Leitfäden

Es gibt heutzutage viel Gespräch über "Digital Twins" – aber was ist das eigentlich? Klonen wir Menschen und übertragen sie in den Metaverse? Nein, das würde zu weit gehen. Mir gefällt persönlich die Definition von IBM, die besagt, dass "ein Digital Twin eine virtuelle Darstellung eines Objekts oder Systems ist, die dessen Lebenszyklus abbildet, in Echtzeit mit Daten aktualisiert wird und Simulation, maschinelles Lernen sowie Reasoning nutzt, um Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Aus Sicht des Einzelhandels können Digital Twins ein Echtzeitbild der Vorgänge in einer Filiale liefern – beispielsweise von Warenbewegungen und Bestandspositionen. Werfen wir daher einen genaueren Blick auf dieses Konzept und darauf, wie es Einzelhändlern dabei helfen kann, tiefere Einblicke in ihre Lieferketten zu gewinnen.

Beispiele für Digital Twins

Obwohl wir inzwischen seit einigen Jahren von Digital Twin Technology sprechen, reicht das Konzept definitiv bis zu den ersten Digitaltechnikprojekten zurück. Ein gutes Beispiel ist die Raumfahrtmission der NASA in den 1960er Jahren, bei der jedes Raumfahrzeug exakt in einer erdgebundenen Version nachgebildet wurde. Weitere praktische Beispiele sind:

  • Digitalisierung von Maschinen zur Unterstützung der Wartung
  • Gebäude oder sogar ganze Städte werden digitalisiert, um die Energieeffizienz zu verbessern
  • Im healthcare ermöglicht ein digitaler Zwilling eines Patienten oder von Organen Ärzten und Gesundheitsfachkräften, Verfahren in einer simulierten Umgebung zu üben
  • Im Formela 1-Car-Racing werden digitale Zwillinge für Simulationen verwendet, damit Fahrer und das Team wissen, welche Anpassungen die Leistung verbessern können
  • Retailer nutzen RFID-Daten von Produkten im Laden, um das Kaufverhalten zu analysieren und die optimale Platzierung der Produkte zu simulieren

RFID ist (einfach) der Träger

Heutzutage können Produktetiketten in der Bekleidungs-, Sportartikel- und Schuhbranche weit mehr leisten als nur Informationen zu Pflege oder Waschtemperaturen bereitzustellen. Sie können mit einer eindeutigen digitalen Identität ausgestattet werden – beispielsweise über einen QR-Code oder einen RFID-Chip. Erhält ein Produkt eine solche eindeutige Identität, entsteht ein Digital Twin des physischen Objekts. Vereinfacht gesagt besitzt jedes Produkt seinen eigenen digitalen Pass.

Um die physische mit der digitalen Welt zu verbinden, benötigt jedes einzelne Produkt einen eindeutigen digitalen Identifikator. Ist diese digitale Identität in einem RFID-Chip gespeichert, lassen sich Produkte nahtlos verfolgen und nachverfolgen. Mithilfe von RFID-Lesepunkten wird jedes Produkt entlang der Lieferkette automatisch erfasst. Die dabei gewonnenen Daten werden an cloudbasierte Systeme übermittelt, dort verarbeitet und für weiterführende Analysen genutzt.

Darüber hinaus können physische Objekte mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet werden, die weitere Daten erfassen – etwa zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Druck. Dadurch liefert der Digital Twin jederzeit aktuelle Informationen über den Zustand und die Nutzung des physischen Produkts. Diese Daten können anschließend verarbeitet und dem Digital Twin kontinuierlich hinzugefügt werden.

Welchen Mehrwert bietet dies dem Einzelhandel?

Auf Produktebene ist Bestandstransparenz ein entscheidender Erfolgsfaktor für Einzelhändler – und gleichzeitig eine ihrer größten Herausforderungen. Dennoch sind Bestandsdaten häufig noch in isolierten Systemen, E-Mails oder Tabellen gespeichert. Die Digital Twin Technology ermöglicht es Einzelhändlern, Bestandsengpässe und Nachfragetrends innerhalb von Sekunden zu erkennen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können sie Bestände gezielt nachsteuern, Produktplatzierungen optimieren und Marketingmaßnahmen gezielt einsetzen, um Verschwendung zu reduzieren.

Ganzheitliche Transparenz

Laden Sie hier unseren umfassenden Leitfaden zur vollständigen Transparenz über die Verfügbarkeit digitaler Waren herunter.

Mit der wachsenden Zahl an Lieferkettenpartnern, Regionen und Vertriebskanälen wird es für Marken und Einzelhändler immer wichtiger, eine Single Source of Truth zu schaffen. Idealerweise verfügt jedes Produkt über eine eindeutige Identität in Form eines Electronic Product Code (EPC), sodass der EPCIS-Standard genutzt werden kann.

Der Electronic Product Code Information Service (EPCIS) ermöglicht die standardisierte Erfassung und den Austausch von Informationen über Produkte und Bestände entlang der gesamten Lieferkette sowie über Unternehmensgrenzen hinweg. Globale Standards und offene Datenformate erleichtern den sicheren Austausch von Informationen über Herkunft, Standort und Status von Produkten und schaffen so die Grundlage für mehr Transparenz und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Fortschrittliche Einblicke in die Lieferkette

Supply Chain Management beschreibt per Definition die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten, Kunden und weiteren Partnern entlang der Lieferkette. Der Austausch von Daten und Erkenntnissen zwischen diesen Beteiligten ist eine wesentliche Voraussetzung für effiziente Geschäftsprozesse und die Grundlage für vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Die Nachverfolgung von Bestandsbewegungen und Statusänderungen in Echtzeit ist insbesondere in komplexen Lieferketten von entscheidender Bedeutung, in denen Produkte regelmäßig zwischen Partnern, Lagern, Distributionszentren und Filialen transportiert und übergeben werden.

Cloudbasierte Daten aus dem Digital Twin eines Produkts ermöglichen den Echtzeitaustausch von Informationen über Herkunft, Materialzusammensetzung und den Weg eines Produkts entlang der Lieferkette. Dadurch entsteht Transparenz darüber, woher Produkte kommen, wo sie sich aktuell befinden und wohin sie als Nächstes geliefert werden – möglichst effizient und nachhaltig.

Mehr Beispiele für fortschrittliche Einblicke in die Lieferkette: 

  • Shipment compliance: automatische Überprüfung, ob eingehende oder ausgehende Sendungen korrekt sind
  • Real-time product location: sofort wissen, wo Produkte herkommen und wo sie sich befinden
  • Simple returns management: schnelle, automatisierte Überprüfung und Registrierung von retournierten Produkten, sodass sie rasch wieder verfügbar sind
  • Identifying and reducing waste: Überwachung des Produktwegs hilft, dessen Auswirkungen auf die Umwelt aufzudecken. Weltweit laufen verschiedene legislative Initiativen. Zum Beispiel fördert die Europäische Union einen „Digital Product Passport“, der es Verbrauchern ermöglicht, detaillierte Informationen über jedes Konsumprodukt abzurufen

Digital Twins ermöglichen neue Erkenntnisse und mehr Transparenz

Obwohl RFID keineswegs eine neue Technologie ist, haben die Störungen der Lieferketten während der Pandemie und die steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit die Einführung der Technologie im Einzelhandel deutlich beschleunigt. Aktuelle Studien zeigen, dass die Akzeptanz von RFID im Einzelhandel als Reaktion auf die Auswirkungen von COVID-19 erheblich zugenommen hat. Der Grund dafür ist, dass datengetriebene Marken und Einzelhändler belastbare Erkenntnisse benötigen, um sicherzustellen, dass Produkte jederzeit verfügbar sind.

Produktetiketten mit einer eindeutigen digitalen Identität – oder einem Digital Twin – haben das Potenzial, zum neuen Standard zu werden. Sie schaffen die Grundlage für CO₂-Bilanzierung, Transparenz entlang der Lieferkette und eine stärkere Interaktion mit den Kunden.

Digitale Identitäten, RFID-Technologie und ein EPCIS-Repository ermöglichen eine durchgängige und präzise Bestandstransparenz. Dadurch werden eine bedarfsgerechte Bestandsallokation, Informationen zur Produktherkunft, vorausschauende Nachbestellungen sowie Bestandsverlagerungen dorthin ermöglicht, wo Produkte tatsächlich benötigt werden.

Nedap begleitet Sie auf Ihrem Weg

Bei Nedap unterstützen wir weltweit Retailer dabei, RFID erfolgreich zu übernehmen und zu skalieren. Wir verbessern die Echtzeit-Bestandsgenauigkeit, erhöhen die Produktverfügbarkeit über alle Kanäle und fördern intelligentere Abläufe — damit Marken ihre Prozesse verbessern können, egal, wo sie sich auf ihrer Reise befinden.

Verwandte Inhalte

Woolworths wählt Nedap für groß angelegten RFID-Rollout

30. Juni

Inventory Engine

30. Juni

Nedap stellt den i15 Go vor: kompakte Größe, nahtlose Sicherheit

Inventory Engine

Nedap stellt energiesparenden Sleep Mode für EAS-Systeme vor

30. Juni

Inventory Engine

Glossar RFID im Fashion Retail

30. Juni

Loss Prevention
Inventory Engine

30. Juni

Nedap unterstützt HEMAs groß angelegten RFID-Rollout

Inventory Engine

Tillys stärkt mit Nedap seine Omnichannel-Strategie

30. Juni

Inventory Engine