Wie RFID mit Digital-Twin-Technologie End-to-End-Transparenz ermöglicht

29. Juni18 Min. Lesezeit
Playbooks und Leitfäden
Supply Chain

Retail ist zunehmend vernetzt, doch Bestandstransparenz bleibt häufig fragmentiert. Produkte bewegen sich über Fabriken, Distributionszentren, Stores, E-Commerce-Kanäle und Verbraucher hinweg, während die Systeme, die sie verfolgen, selten mit derselben Kontinuität arbeiten. Dadurch kämpfen viele Retailer weiterhin mit ungenauen Beständen, unverbundenen Supply Chains und begrenzten Einblicken darin, wo sich Produkte zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich befinden.

RFID und digitale Produktidentifikation helfen Retailern, diese Lücke zu schließen, indem sie das schaffen, was oft als Digital Twin bezeichnet wird: eine digitale Repräsentation eines physischen Produkts, die über den gesamten Lebenszyklus hinweg besteht. Statt Bestände in Chargen oder Momentaufnahmen zu verwalten, können Retailer jeden einzelnen Artikel von der Quelle bis zum Verbraucher identifizieren, verfolgen und verstehen. Dieser Wandel verändert, wie Retailer über Transparenz denken. Es geht nicht mehr nur darum zu wissen, welche Bestände vorhanden sind, sondern darum zu verstehen, wie sich Produkte durch das gesamte Retail-Ökosystem bewegen.

Digital-Twin-Technologie

  • Digitalisierung von Maschinen zur Unterstützung der Wartung 
  • Digitalisierung von Gebäuden oder sogar ganzen Städten, um den Energieverbrauch effizienter zu gestalten 
  • Im Gesundheitswesen ermöglicht ein Digital Twin von Patienten oder Organen Chirurgen und medizinischem Fachpersonal, Eingriffe in einer simulierten Umgebung zu üben 
  • In der Formel 1 werden Digital Twins für Simulationen genutzt, damit Fahrer und Rennteam wissen, welche Anpassungen die Performance verbessern können 
  • Retailer nutzen RFID-Daten von Produkten im Store, um Kaufverhalten zu analysieren und die optimale Platzierung von Produkten zu simulieren 

RFID als Träger

Produktetiketten in der Bekleidungs-, Sport- und Schuhbranche können heute mehr leisten, als nur Waschtemperaturen oder Pflegehinweise zu teilen. Sie können mit einer eindeutigen digitalen Identität angereichert werden, entweder über einen QR-Code oder auf einem Chip. Wenn Produkte eine eindeutige Identität tragen, lässt sich dies als digitale Kopie eines physischen Objekts verstehen. Man könnte also sagen, dass das Produkt seinen eigenen digitalen Pass besitzt. 

Ein eindeutiger digitaler Identifikator muss mit einem einzelnen Artikel verbunden sein, um die physische mit der digitalen Welt zu verbinden. Wenn die digitale Identität auf einem RFID-Chip gespeichert ist, lassen sich Produkte nahtlos verfolgen. Ist ein Artikel mit einem RFID-Tag ausgestattet, kann er auf seinem Weg durch die Supply Chain einfach registriert werden. RFID-Lesepunkte erfassen Daten aus der physischen Welt und senden sie an cloudbasierte Systeme, wo sie verarbeitet und für zusätzliche Datenanalysen genutzt werden. 

Aus einer breiteren Perspektive können physische Dinge mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet werden, die noch mehr Daten erzeugen. Diese Sensoren können zum Beispiel Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Druck liefern. Wer auf den Digital Twin schaut, sieht dadurch wichtige Informationen darüber, wie es dem physischen Objekt in der realen Welt geht. Diese Daten können anschließend an ein Verarbeitungssystem übermittelt und auf die digitale Kopie angewendet werden. 

Bewusste Konsumenten

Konsumenten werden sich der Auswirkungen der Produkte, die sie kaufen, und der Marken, die sie unterstützen, immer bewusster. Nachhaltigkeit, ethische Beschaffung und soziale Verantwortung bleiben wichtige Kriterien, insbesondere bei jüngeren Generationen. Gleichzeitig werden Kaufentscheidungen zunehmend pragmatischer. Während Brand Purpose die emotionale Bindung weiterhin beeinflusst, legen Konsumenten mehr Gewicht auf Qualität, Langlebigkeit, Verfügbarkeit und faire Preise¹.

Während der Markenzweck weiterhin die emotionale Bindung beeinflusst, legen Verbraucher zunehmend Wert auf Qualität, Langlebigkeit, Verfügbarkeit und faire Preise.

Zustand des Verbrauchers 2024

McKinsey, 2024

Vertrauen durch Konsistenz
Purpose prägt weiterhin, wie Konsumenten Marken wahrnehmen, doch langfristige Loyalität entsteht zunehmend durch konsequente Leistung. Aktuelle Studien zeigen, dass Shopper Marken belohnen, die Transparenz und verantwortungsvolle Geschäftspraktiken mit verlässlicher Qualität, starkem Wertversprechen und nahtlosen Kundenerlebnissen verbinden². Dieser Wandel verändert auch Konsummuster. Statt schnelle oder trendgetriebene Käufe zu priorisieren, kaufen viele Konsumenten bewusster und interessieren sich stärker für Resale, Reparatur und hochwertigere Produkte, die länger halten³.

Nachhaltigkeit als Teil des Wertversprechens
Nachhaltigkeit bleibt ein wichtiger Faktor bei der Markenwahl, doch Konsumenten erwarten zunehmend messbare Maßnahmen statt nur übergeordneter Botschaften. Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Authentizität werden entscheidend für die Glaubwürdigkeit einer Marke⁴. Für Marken und Retailer bedeutet das, dass Nachhaltigkeit nicht länger losgelöst von operativer Performance betrachtet werden kann. Produktverfügbarkeit, Supply-Chain-Transparenz, korrekte Informationen und konsistente Erlebnisse tragen alle dazu bei, wie Konsumenten heute Wert definieren.

Direct-to-Consumer

Marken treiben ihr Direct-to-Consumer-Geschäft (D2C) über Onlineshops und neue physische Stores stark voran. Marken mit einem starken D2C-Geschäft erhalten Echtzeit-Insights darüber, was Kunden wünschen, und können schnell auf die tatsächliche Nachfrage reagieren. In diesem Kontext werden eigene Stores zu einer Plattform, die die Community mit der Marke verbindet. Letztlich sind Stores Kontaktpunkte, an denen Einkaufserlebnisse lebendig werden. Es überrascht daher nicht, dass ein wichtiger Grund für Markenwechsel darin liegt, dass das gewünschte Produkt nicht verfügbar ist.

Everywhere Commerce

Eine der grundlegendsten Veränderungen infolge der COVID-19-Krise betrifft den Ort und die Art, wie Konsumenten einkaufen. In den letzten Jahren wurden Omnichannel-Konzepte, oder „Everywhere Commerce“, kontinuierlich stärker genutzt. Besonders während Lockdowns und Social Distancing hat sich das Einkaufsverhalten massiv in Richtung Online-Käufe verlagert, und vieles spricht dafür, dass dies bleibt. Dadurch werden immer mehr digitale Touchpoints zum ersten Kontaktpunkt zwischen Konsumenten und ihren Lieblingsmarken oder Shopping-Destinationen. Gleichzeitig ergänzen Marken ihre physischen Stores und digitalen Angebote, um zu einem „phygitalen“ Modell zu gelangen, mit innovativen Anwendungen für ein wirkliches Omnichannel-Erlebnis.

Vorteile von RFID und Digital-Twin-Technologie

Um auf diese Trends zu reagieren, brauchen datengetriebene Marken umsetzbare Insights. Das übergeordnete Ziel ist, sicherzustellen, dass Produkte für Shopper immer verfügbar sind. Die Verfolgung von Bestandsbewegungen und Statusänderungen in Echtzeit ist besonders wichtig in komplexen Supply-Chain-Strukturen, in denen Produkte regelmäßig zwischen Partnern, Lagern, Distributionszentren und Stores verschickt und transferiert werden.

Mit RFID können Marken Daten nahtlos an verschiedenen Lesepunkten erfassen, sobald sich Standort oder Status eines Produkts ändern. Ein EPCIS-Repository dient als zentrale Plattform, die detaillierte Informationen zur tatsächlichen Bestandssituation über die gesamte Supply Chain hinweg ergänzt. Zusammen schaffen RFID und EPCIS umfassende Bestandstransparenz und ermöglichen nachfragebasierte Allokation, Herkunftsinformationen, vorausschauende Nachschubplanung und Bestandstransfers an die Orte, an denen Produkte tatsächlich benötigt werden.

Konsumenten verlangen Herkunftsinformationen und Authentizität

In den kommenden Jahren werden die Erwartungen an Marken steigen, Einkauf schneller, einfacher und transparenter zu machen. Konsumenten erwarten zunehmend korrekte Produktverfügbarkeit, nahtlose Erlebnisse über Kanäle hinweg und Echtzeit-Insights darüber, wo Produkte sind, wie schnell sie geliefert werden können und ob sie tatsächlich auf Lager sind. Gleichzeitig erwarten Shopper weiterhin hohe Produktqualität, ethische Beschaffung und faire Preise, wodurch operative Verlässlichkeit wichtiger wird denn je. Um diese Erwartungen zu erfüllen, benötigen Marken mehr Transparenz über ihre Supply Chains und Bestandsflüsse. Nachfolgend einige Möglichkeiten, wie RFID-Lösungen diese Herausforderungen adressieren:

Herkunftsinformationen
Marken und ihre Kunden, aber auch Partner und sogar Behörden, müssen wissen, ob Produkte echt sind und woher sie stammen. Die Digitalisierung von Produkten und ihre Verfolgung entlang der Supply Chain können unvergleichliche Insights liefern. In diesem Kontext bietet RFID eine sichere, eindeutige Produktidentifikation sowie Tracking-Daten im EPCIS-Repository und liefert damit Einblicke in die tatsächliche Herkunft. Gleichzeitig gibt es weltweit gesetzliche Initiativen, die bestimmte Formen der Supply-Chain-Verfolgung auf Artikelebene verpflichtend machen. Ziel ist es, soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, indem globale Wertschöpfungsketten transparenter werden.

Mit RFID und einer EPCIS-Plattform können Marken Tags eindeutig mit Produkten und Seriennummern (SGTIN) verknüpfen, die als „digitale Produktidentität“ dienen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme können alle Informationen auf dem RFID-Chip verschlüsselt werden. Wenn digitale Identitäten zugewiesen und verwaltet sowie alle Produkt-Events entlang des Distributionsnetzwerks in einer Plattform verfolgt werden, können Marken Fälschungen und illegale Verkäufe verhindern.

Produktauthentizität
Gefälschte Produkte sind ein wachsendes Problem für Markenhersteller und verursachen enorme Verluste an Reputation, Vertrauen und Geld⁵. Konsumenten erwarten von Marken Transparenz zu Produktionsbedingungen, Rohstoffen und Umweltauswirkungen. Letztlich müssen sie der Herkunft vertrauen können. Viele Imitationen sind so gut, dass selbst Experten Original und Nachahmung kaum unterscheiden können. Kunden können Fälschungen oft kaum erkennen und möchten wissen, ob ein Produkt echt und authentisch ist.

Nachhaltigkeit
Technologie und Daten nutzen zu können, ist entscheidend, um den Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Wird ein RFID-Tag an einem Produkt angebracht, bildet er die Grundlage für Transparenz und Rückverfolgbarkeit über die gesamte Supply Chain. So lassen sich Materialzusammensetzung, Wert und Qualität jedes Produkts präzise identifizieren. Zusätzlich enthält eine zentrale Datenplattform, das EPCIS-Repository, die Geschichte eines Produkts zusammen mit den wesentlichen Herkunftsdaten. Das ist die Basis, um Informationen zur Herkunft eines Produkts bereitzustellen, und kann genutzt werden, um einen „Nachhaltigkeitsnachweis“ zu liefern.

Exzellente Omnichannel-Services

Es besteht kein Zweifel: Omnichannel bleibt. Die Zahl der Liefer- und Abholservices, die Kunden angeboten werden, wächst stetig. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Shopper kontinuierlich. Shopper erwarten, dass gewünschte Artikel überall verfügbar sind, egal ob sie in einem stationären Store oder online suchen. Vor diesem Hintergrund erweitern Marken ihre Serviceoptionen, etwa ship-to-home, ship-to-store, ship-from-store, buy-online-pick-up-in-store (BOPIS / Click & Collect) und verschiedene Rückgabeoptionen. In diesem Kontext ist Bestandstransparenz ein zentraler Enabler, um das Verfügbarkeitsversprechen einzuhalten und Kunden zufriedenzustellen.

Vollständige Bestandstransparenz

Während die Grenzen zwischen Stores, E-Commerce und Lagern verschwimmen, wächst die Komplexität in der Supply Chain massiv. Deshalb sind Produkttransparenz und Bestandsgenauigkeit zur Grundlage effizienter Omnichannel-Prozesse geworden. Nur wenn klar ist, wo sich Produkte befinden, können Marken und Retailer ihre Omnichannel-Versprechen erfolgreich erfüllen. Da RFID die Bestandsverwaltung automatisieren kann, können Marken die Technologie nutzen, um Echtzeit-Insights zu erhalten und eine hohe Produktverfügbarkeit sicherzustellen.

Ein 'Single Point of Truth'

Silos verbinden
Ein EPCIS-Repository verbindet die verschiedenen, voneinander getrennten Bestandsführungssysteme entlang der Lieferkette, beispielsweise WMS, SCM, ERP oder POS. Es bildet die übergeordnete Ebene über diesen isolierten Datensilos und enthält dadurch die vollständige Historie der Bewegungen jedes einzelnen Produkts – von Anfang bis Ende der Lieferkette.

Eindeutige Transparenz auf Artikelebene
Das RFID-basierte Statusmanagement auf Artikelebene liefert präzise Informationen über den verkaufsfähigen Bestand – selbst über verschiedene Unterstandorte hinweg.

Echtzeit
RFID schafft vollständige Transparenz über den tatsächlichen Bestand in Echtzeit. Alle Produktbewegungen und Statusänderungen werden über dedizierte Leseereignisse in einem zentralen Bestandsdatenpool erfasst.

Interoperabilität
Angenommen, eine Marke verwaltet ihre Bestände auf mehreren Kanälen. Dann ist es möglich, Daten aus dem eigenen EPCIS-Pool mit Systemen von Drittanbietern auszutauschen – wobei das EPC als einzigartiger Zugriffsschlüssel auf die Daten dient.

Gemeinsame Bestandsführung & Vendor Managed Inventory (VMI)

Während Marken mehr Kontrolle über ihre Vertriebskanäle übernehmen und ihre Direct-to-Consumer-Aktivitäten weiter ausbauen, stammt ein erheblicher Teil des Umsatzes der meisten Marken weiterhin von Retail-Partnern. Um gemeinsam erfolgreich zu sein, entwickeln sie sich zunehmend in Richtung einer Win-win-Situation, indem sie Bestandsinformationen teilen und Bestände gemeinsam verwalten. Am Ende tragen Marken und Retailer gemeinsam Verantwortung für ein exzellentes Kundenerlebnis.

Das Konzept ist nicht neu: Bereits seit 15 Jahren arbeiten Marken und Retailer an Initiativen für Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR). Sie teilen Verkaufs- und Bestandsdaten über sogenannte Electronic-Data-Interchange-Prozesse (EDI). Diese Eins-zu-eins-Kommunikation ist jedoch langsam, fehleranfällig und erfordert viel manuelle Datenbereinigung. Außerdem liefert sie keine Einblicke auf Teilbereichs- oder eindeutiger Artikelebene. Genau hier hebt eine Bestandstransparenzplattform wie EPCIS das Konzept von Vendor Managed Inventory auf die nächste Stufe.

Unified Stock-Plattform

Shopper, die Produkte ihrer Lieblingsmarken kaufen möchten, interessiert es nicht, ob diese aus einem eigenen Store, einem Franchise-Store, einem Kaufhaus oder einer Retail-Kette kommen. Sie möchten nur wissen, wo sie das Produkt bekommen können. Geteilte Bestandsinformationen ermöglichen es Partnern, Produkte anzubieten, die sich bereits in der Nähe des Konsumenten befinden, statt zusätzlichen Bestand in den Markt zu bringen. Mit „Unified Stock“ können Marken und Retailer einander Zugriff auf ihre E-Commerce- und Order-Management-Systeme geben. Ziel ist es, Kunden über Online-Kanäle, Apps und weitere Touchpoints (Echtzeit-)Daten zu verfügbaren Produkten bereitzustellen. Wenn der Webshop der Marke mit dem Bestand eines Retail-Stores verbunden ist, erweitert sich das digital verfügbare Sortiment.

Eines der langfristigen Ziele von Scotch & Soda ist es, die Kundenbindung weiter zu stärken. Mit RFID beschäftigen wir uns bereits seit mehreren Jahren. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu gehen, denn eine hohe Produktverfügbarkeit ist heute entscheidend, um den steigenden Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.

Rik Kok

Chief Operating Officer

Fulfillment und Retouren überall ermöglichen

Markenloyalität beginnt mit passenden Fulfillment- und Retourenstrategien. Kunden erwarten nicht nur, den Bestand im Store online einsehen zu können. Sie möchten Produkte auch sofort bestellen, reservieren und zurückgeben können. Gleichzeitig haben steigende Erwartungen an schnelle Lieferung zur Entwicklung innovativer Fulfillment-Optionen geführt, die vorhandene Infrastruktur nutzen, etwa das bestehende Store-Netzwerk - ob eigene Stores, Partner-Stores, Franchise-Stores oder Wholesale-Standorte. Bestellungen aus Stores zu erfüllen, bringt klare Vorteile: höhere Produktivität des Gesamtbestands, schnellere Lieferung an Kunden und weniger Preisnachlässe.

Auch bei Retouren erwarten Kunden heute maximale Flexibilität. Sie möchten Produkte unabhängig vom Kaufort auf dieselbe einfache Weise zurückgeben können. Mit einer EPCIS-basierten Bestandsplattform können Händler Retouren an jedem Standort annehmen, Teil- und Vollretouren effizient abwickeln und die zurückgesendeten Artikel schnell wieder dem verfügbaren Bestand zuführen.

Wir möchten, dass unsere Kunden überall einkaufen und überall zurückgeben können — egal, ob ein Artikel in Kopenhagen oder in London gekauft wurde.

Tommy Nimand

Chief Financial Officer

Die neue Rolle von Stores in einer Omnichannel-Welt

Micro-Fulfillment-Center
Da immer weniger Kunden stationäre Geschäfte besuchen und die Zahl der Online-Bestellungen kontinuierlich steigt, entwickeln sich Filialen zunehmend zu Micro-Fulfillment-Centern oder sogenannten Mini-Distributionszentren. In diesem Modell wird der Warenbestand der Filialen genutzt, um Bestellungen aus anderen Vertriebskanälen – beispielsweise dem E-Commerce – abzuwickeln. Da sich die Waren näher am Endkunden befinden, können Bestellungen zudem schneller und nachhaltiger erfüllt werden.

Dark store
Eine Dark Store (auch als Black Store bezeichnet) ist ein nicht öffentlich zugängiges Mini-Distributionszentrum, das sich in der Regel in innerstädtischen Lagen befindet. Häufig handelt es sich dabei um ehemalige Filialen, die für den Publikumsverkehr geschlossen wurden. Heute dienen sie als Standorte, an denen Bestellungen kommissioniert und direkt an Kunden in der Umgebung versendet werden.

Für D2C

Für Marken mit einem Direct-to-Consumer-Vertriebskanal sind alle Faktoren entscheidend, die das Einkaufserlebnis ihrer Kunden beeinflussen. Neben einer leistungsfähigen Omnichannel-Strategie benötigen sie umfassende Transparenz entlang der Lieferkette, um ihre Vertriebsstrategie erfolgreich umzusetzen. Gleichzeitig gilt es, den wachsenden Herausforderungen durch Produktfälschungen, Graumarktware und Überdistribution zu begegnen.

Volle Kontrolle über die Distribution

Markeninhaber müssen wissen, wo sich ihre Waren befinden. Fehlende Kontrolle über die Distribution kann zu geringeren Vollpreisverkäufen autorisierter Produkte, mangelnder Qualitätskontrolle, Verwässerung von Schutzrechten und Verwirrung bei Kunden führen. Die Verfolgung von Produkten mit digitalen Identitäten in Echtzeit hilft Retailern, dem Produktfluss einen Schritt voraus zu sein und sicherzustellen, dass Produkte echt sind und aus autorisierten Quellen stammen. Wenn Produkte zusätzlich eine eindeutige digitale Identität tragen und von Anfang an verfolgt werden, können Kunden sie bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen und ihre Echtheit prüfen. Das bekämpft Fälschungen und stärkt das Vertrauen in den Markenwert.

Graumarkt-Identifikation

In einer Welt von Online-Marktplätzen und vernetzten Supply Chains fällt es Marken schwer sicherzustellen, dass ihre Produkte nur in autorisierten Kanälen verkauft werden. Mit RFID können Marken einfach nachvollziehen, welcher Retailer welches Produkt erhält, und so potenziellen (Weiter-)Verkauf an nicht autorisierte Händler besser kontrollieren. Wenn beispielsweise alle ausgehenden Produkte auf eindeutiger Artikelebene und mit dem jeweiligen Zielort registriert werden, können Marken später feststellen, ob ihre Produkte in den richtigen, autorisierten Kanal verteilt oder in einen Graumarkt weiterverkauft wurden.

Bausteine für eine erfolgreiche RFID-Einführung

Wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben, fügt RFID auf Artikelebene in Kombination mit einem EPCIS-Repository für datengetriebene Marken und Retailer eine zusätzliche Informationsebene zur tatsächlichen Bestandssituation entlang der gesamten Supply Chain hinzu. Echte und umfassende Bestandstransparenz ermöglicht nachfragebasierte Allokation, vorausschauende Nachschubplanung und Bestandstransfers an die Orte, an denen Produkte wirklich benötigt werden. Und genau das hilft Marken und Retailern letztlich, ihre Kunden zufriedenzustellen. Die Frage ist: Wo und wie startet diese Reise? Dieses Kapitel bietet praktische Insights.

Eindeutige Produktidentifikation

Eine sogenannte digitale Identität macht jedes Produkt zu einem datenerzeugenden Asset. Voraussetzung ist, dass eine Seriennummer jedes Produkt eindeutig macht. In diesem Kontext können „serialisierte Daten“ auf RFID-Tags oder als visuelle Darstellung getragen werden, etwa als DataMatrix, QR-Code oder GS1 Digital Link. Wenn ein RFID-Tag der Datenträger ist, wird die digitale Identität häufig auch als „EPC“ bezeichnet - Electronic Product Code - die Syntax für eindeutige Identifikatoren, die physischen Objekten zugewiesen werden. Da es keine Universallösung gibt, glauben wir, dass die Zukunft digitaler Produktidentitäten hybrid ist: mit einer Kombination verschiedener Datenträger wie RFID, NFC, Papieretiketten mit QR-Codes, Wasserzeichen oder sogar eingebetteten Optionen.

Eine Plattform für vollständige Bestandstransparenz

Bauen Sie Bestandssilos ab, indem Sie eine einheitliche Sicht auf den Bestand entlang Ihrer gesamten Supply Chain schaffen. Sobald Produkte mit RFID-Labels ausgestattet sind - idealerweise an der Quelle - lassen sich alle Bewegungen im gesamten Supply-Netzwerk nahtlos verfolgen. Der Einsatz von RFID-Technologie in der Supply Chain ermöglicht fehlerfreie Echtzeit-Effizienz und Transparenz in allen Prozessen. RFID-Lese-Events werden anschließend mit einem EPCIS-Repository synchronisiert, das dadurch als Echtzeitplattform für Bestandstransparenz dient. Eine solche Plattform bietet einen standardisierten Single Point of Integration für Business- und Consumer-Anwendungen, damit Supply-Chain- und Bestandstransparenz in Echtzeit vollständig verfügbar sind. Sie überwacht Bestandstransaktionen und -bewegungen aus allen relevanten Quellen in Echtzeit und kann genaue Bestandsinformationen an relevante Backend-Systeme wie Order Management weitergeben.

Häufiges Problem: Legacy-Systeme sind weder verbunden noch echtzeitfähig

In vielen Organisationen werden Bestandsinformationen häufig in unterschiedlichen Silos wie ERP, POS, WMS und weiteren Systemen gehalten. Ein weiteres Problem ist, dass Bestandsinformationen oft ungenau sind, insbesondere wenn sie aus Stores stammen und auf fehleranfälligen manuellen Prozessen basieren. Häufig sind Bestandsinformationen zudem „veraltet“. Wenn ein Retailer beispielsweise nur über Nacht Bestandspositionen aus verschiedenen Systemen sammelt, bildet das Ergebnis dieser Berechnung vom Vorabend nicht die tatsächliche Bestandssituation ab, wenn ein Kunde kaufen möchte. Fehlende genaue Einblicke in Bestände haben negative Folgen: Zu viel Bestand bindet Cashflow in Lagerkosten, während zu wenig Bestand zu Stockouts und verlorenen Verkäufen führt. Und während Retailer immer mehr Kanäle aufbauen, um Umsatz und Markenbekanntheit zu steigern, steigen ohne Echtzeit-Bestandstransparenz zur Steuerung des Ganzen auch die Kosten durch Fehlsteuerung.

Standards schaffen eine gemeinsame Geschäftssprache

Der Austausch bestandsrelevanter Geschäftsdaten zwischen Marken, Retailern und anderen Partnern kann auf einfache und vertrauenswürdige Weise tiefe Einblicke in Herkunft, Standort und Status von Produkten liefern. Die Nutzung von Standards für Identifikation (GTIN/SGTIN) und Kommunikation (EPCIS) ist für erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend. Diese Standards gewährleisten effiziente unternehmensübergreifende Kommunikation und ermöglichen eine schnelle und einfache Datenintegration. Durch den Austausch von Informationen aus dem EPCIS der Marke mit dem EPCIS des Retailers können relevante Bestandsdaten entlang der Supply Chain digital ausgetauscht werden und mehr Transparenz und Vertrauen in der Zusammenarbeit schaffen. Serialisierte Daten sind in der Supply Chain zunehmend präsent, da immer mehr Marken Source Tagging einsetzen. Deshalb stellen GS1-Standards effiziente unternehmensübergreifende Kommunikation sicher und ermöglichen Unternehmen, ihre Daten schnell und einfach zu integrieren.

GTIN: Global Trade Item Number, SGTIN: Serialized Global Trade Item Number, EPC: Electronic Product Code, EPCIS: Electronic Product Code Information Services, SSCC: Serial Shipping Container Code.

So beginnen Sie

Der wichtigste Grund, warum Marken RFID einführen, ist die Maximierung des Kundenerlebnisses durch vollständige Bestandstransparenz. Erfolgreiche RFID-Projekte haben eines gemeinsam: Die Lösung wird von den Anwendern angenommen.

  1. Klein anfangen
    In einem Workshop mit Ihren Stakeholdern und Retail-Experten eines Lösungsanbieters sollten Sie einen Business Case entwickeln, der auf den Besonderheiten Ihres Unternehmens und Ihren aktuellen Retail-Erfahrungen basiert, und ihn anschließend mit Ergebnissen vergleichbarer Retailer benchmarken.
  1. Testen, lernen und anpassen
    Der Business Case kann in einer Auswahl von Stores und mit ausgewählter getaggter Ware validiert werden. Die Produkte können im Distributionszentrum oder im Store getaggt werden. Anschließend können Sie den Pre-Rollout Schritt für Schritt starten.
  1. Schnell skalieren
    Mit einem bewährten Geschäftskonzept machen Sie sich bereit für die Einführung und können die Technologie in jedem Geschäft umsetzen. Neue Funktionen lassen sich im Verlauf der RFID-Reise hinzufügen.

Nedap begleitet Sie auf Ihrer Reise

Bei Nedap unterstützen wir globale Retailer dabei, RFID erfolgreich einzuführen und zu skalieren. Wir ermöglichen Bestandsgenauigkeit in Echtzeit, verbessern die Warenverfügbarkeit über alle Kanäle hinweg und unterstützen intelligentere Abläufe, damit Marken ihre Prozesse optimieren können, ganz gleich, wo sie auf ihrer Reise stehen.

Quellen

State of Consumer 2024: What’s now and what’s next, 2024.

The Value-Seeking Consumer, 2025.

2024 Voice of the Consumer Survey, 2024.

Verbraucher interessieren sich für Nachhaltigkeit – und setzen dies auch in ihrem Kaufverhalten um, 2023.

De economische impact van namaak en piraterij – rapport opgesteld voor BASCAP en INTA, 3 februari 2017