Digitale Zwillinge, RFID und Digitale Produktpässe
21. Februar 2025


Nachdem RFID zur Verbesserung der Bestandsgenauigkeit und der Produktverfügbarkeit im Store eingeführt wurde, integrieren viele Retailer RFID in ihre Omnichannel-Strategie.
Harmen KoopmanEin wesentlicher Vorteil stationärer Stores gegenüber Online-Kanälen besteht darin, dass Kunden Ihre Marke mit allen fünf Sinnen erleben können.
Dazu gehören die Musik, das Visual Merchandising, die Gestaltung des Stores und vor allem die Artikel, die Kunden vor dem Kauf ansehen, anfassen und anprobieren können.
RFID-Technologie kann wesentlich dazu beitragen, Ihr Markenbild in physischen Stores zu stärken. RFID kann das Erlebnis in der Umkleidekabine verbessern, personalisierte Produktempfehlungen ermöglichen und den Checkout beschleunigen.
Sie ermöglicht sogar Storytelling mit interaktiven Displays: Produkte mit RFID-Tags können auf Bildschirme gelegt werden, die auf das jeweilige Produkt reagieren.
Obwohl es viele RFID-Anwendungsfälle im Store gibt, konzentrieren wir uns in diesem Kapitel auf den mit dem größten geschäftlichen Nutzen: den Bestand Ihrer Stores für digitale Vertriebskanäle verfügbar zu machen.
Warum?
Weil die Zusammenführung Ihrer Bestände erhebliche Vorteile für operative Effizienz, nachhaltige Abläufe und Umsatz bietet.
Click & Collect
Auch als BOPIS bezeichnet: Kunden kaufen Produkte online und holen sie in einem Store ihrer Wahl ab.
Click & Reserve
Kunden reservieren ein Produkt online, meist aus dem verfügbaren Store-Bestand, und bezahlen im Store.
Click & Curbside pick-up
Kunden kaufen ein Produkt online und holen es über einen Abholservice am Straßenrand ab, beispielsweise an einem Drive-through.
Click & Try
Kunden reservieren ein Produkt und buchen direkt einen kostenlosen Termin für eine Umkleidekabine. Bei ihrer Ankunft liegen dort auch weitere passende Styling-Empfehlungen bereit.
Click & Find
Kunden wählen ein Produkt in der App aus und sehen, wo es im Store verfügbar ist.
Ship from Store
Kunden kaufen online. Das bestellte Produkt wird aus dem Store an ihre Privatadresse versendet.
Order in Store
Kunden bestellen fehlende Modelle oder Größen direkt im Store und lassen sie nach Hause liefern.
Buy online, return in-store
Auch als BORIS bezeichnet: Kunden kaufen Produkte online und können sie in einem Store zurückgeben.
Kunden erwarten, dass ihre gewünschten Artikel verfügbar sind, unabhängig davon, ob sie im stationären Store oder online einkaufen. Deshalb setzen Retailer unterschiedliche Omnichannel-Konzepte um: Lieferung nach Hause, Lieferung in den Store, Versand aus dem Store, Click & Collect und verschiedene Rückgabeoptionen.
Ohne RFID neigen Retailer dazu, ihre Bestände nach Kanälen zu trennen. Ein Bestandssilo gehört zum Filialnetz, ein zweites zum E-Commerce. Hinzu kommen möglicherweise weitere Silos für den Großhandel, externe Logistikdienstleister oder andere Kanäle.
Diese Silos entstehen häufig durch das Wachstum von Retail-Organisationen: Unterschiedliche Teams betreuen unterschiedliche Kanäle und Bestände.
In diesen Silos sind Angebot und Nachfrage oft nicht aufeinander abgestimmt. Dadurch können Bestandsmengen stark schwanken. Ein pinkes T-Shirt in Größe S wird beispielsweise wegen geringer Nachfrage im Filialnetz nicht nachgeliefert, während dasselbe T-Shirt online ausverkauft ist.
Die Probleme dieser getrennten Bestandsführung liegen auf der Hand.
Möglicherweise haben Sie genau den Bestand, den Ihre Kunden zum richtigen Zeitpunkt benötigen. Sie können ihn jedoch weder sehen noch darauf zugreifen. Die Ware verbleibt in den Silos und wartet darauf, verkauft zu werden. Hinzu kommt, dass Bestände nicht ohne Weiteres zwischen den Silos geteilt werden können.
Um dies auszugleichen, halten Retailer zu hohe Sicherheitsbestände vor. Die Folgen sind unzufriedene Kunden, Margenverluste durch Preisnachlässe und unnötige Umweltbelastungen, weil ein großer Teil der unverkauften Ware auf Deponien landet.
Wäre es möglich, den gesamten Bestand für alle Kanäle verfügbar zu machen?
Doch wo beginnt man damit, unterschiedliche Bestände zusammenzuführen?
Ein wichtiger erster Schritt besteht darin, den Bestand physischer Stores auch für Online-Kanäle verfügbar zu machen. Dazu zählen Webshops, Social-Media-Apps, Shopping-Apps, Suchmaschinen und Online-Marktplätze.
Die Nutzung Ihrer Store-Bestände für digitale Kanäle bietet mehrere Vorteile.
Wenn Lager und Distributionszentren aufgrund saisonaler Einflüsse oder anderer Ursachen ihre Kapazitätsgrenzen erreichen, können Stores als kleine lokale Distributionsstandorte dienen.
Nutzen Sie Ihre Stores als kleine Distributionszentren, können Sie Bestellungen näher am Kunden erfüllen. Statt eine Bestellung aus einem zentralen Lager zu versenden, kann ein lokaler Kurier sie in der Stadt des Kunden abholen. Der Versand aus dem nächstgelegenen Store verkürzt die Transportzeiten.
Stores als kleine Distributionszentren zu nutzen, kann einen Wettbewerbsvorteil schaffen. Ein umfassendes Omnichannel-Angebot mit Services für die letzte Meile oder Lieferung am selben Tag kann entscheiden, ob Kunden bei Ihnen oder einem anderen Online-Retailer kaufen. Kürzere Wege beschleunigen die Lieferung und können sie zugleich nachhaltiger machen. Das wird Kunden zunehmend wichtiger.
Die Nutzung von Store-Beständen ist ein wichtiger erster Schritt zu einem gemeinsamen Gesamtbestand. Wenn Sie Bestände in stationären und Online-Kanälen gleich behandeln, schaffen Sie zusätzliche Verkaufschancen in beiden Bereichen.
Dadurch sind weniger Ausverkäufe nötig, und Retailer können mehr verkaufen, ohne ihre Margen zu schmälern.
Gerade am Saisonende, wenn Restbestände über Distributionszentren und Stores verteilt sind, lässt sich Ware weiterhin zum vollen Preis verkaufen, wenn der Standort jedes Produkts bekannt ist.
Was bringt RFID für meine Omnichannel-Strategie?
Retailer können selbstverständlich auch ohne RFID eine Omnichannel-Strategie verfolgen.
Viele nutzen dafür ein Order Management System (OMS). Es vereinfacht und automatisiert die Auftragsbearbeitung und kann Bestellungen an unterschiedliche Fulfillment-Standorte wie Distributionszentren und Stores weiterleiten.
RFID kann die dafür nötige Transparenz auf Artikelebene und operative Effizienz schaffen. Der konkrete Nutzen hängt davon ab, welche Omnichannel-Services ein Retailer anbieten möchte. Was bringt RFID also?
RFID bietet drei Vorteile für Omnichannel-Abläufe:
Betrachten wir diese Vorteile genauer.
Bei einer Bestandsgenauigkeit von 70% kann das Order Management System eine Online-Bestellung einem Store zuweisen, der nicht alle bestellten Artikel tatsächlich vorrätig hat. Der Store erfüllt dann einen Teil der Bestellung und lehnt den Rest ab. Das System wählt daraufhin den nächstgeeigneten Store für die übrigen Artikel aus.
Im besten Fall entsteht eine Teillieferung. In vielen Fällen wird die Bestellung jedoch storniert.
Teillieferungen sind für Kunden, die ihre Bestellung vollständig erhalten möchten, unbefriedigend und für Retailer teuer. Da sich die Paketpreise in den vergangenen Jahren verdoppelt haben, verursachen Teillieferungen unnötigen Zeit- und Kostenaufwand.
Retailer, die ohne RFID ihre Store-Bestände für Online-Kanäle nutzen möchten, richten häufig einen Sicherheitsbestand ein.
Solche Schwellenwerte sollen die Produktverfügbarkeit absichern. Ein Sicherheitsbestand von fünf bedeutet beispielsweise, dass ein OMS eine Bestellung nur an einen Store weiterleiten darf, wenn dort mindestens fünf Artikel vorrätig sind. Oder ein Online-Kunde kann einen Artikel in einem bestimmten Store erst sehen und kaufen, wenn dem Retailer dort fünf Stück als verfügbar gemeldet werden.
Wie Sie die Online-Produktverfügbarkeit ohne Sicherheitsbestände erhöhen
Stores führen ein breites Sortiment in kleinen Stückzahlen, um Fläche und Visual Merchandising zu optimieren. Geringe Bestandstiefe und hohe Sicherheitsbestände wirken sich deshalb negativ aus: Ein großer Teil des Store-Bestands wird online nicht angeboten, weil viele Stores nur wenige Exemplare eines bestimmten Produkts haben.
Untersuchungen des Data-Analytics-Teams von Nedap zeigen, dass ein durchschnittlicher Store bei über 50% seiner Artikelvarianten (SKUs) nur ein Exemplar führt.
Ein Sicherheitsbestand von nur einem Artikel für den verkaufbaren Bestand im OMS schließt damit über die Hälfte der Produkt-Größen-Kombinationen eines Stores aus.

Weitere Untersuchungen unter Einbeziehung der Bestände in Distributionszentren lieferten ähnliche Ergebnisse.
Wenn Retailer ausschließlich den Bestand ihrer Distributionszentren für Online-Kanäle nutzen, greifen sie nur auf 50% ihres Gesamtbestands zu. Werden Store-Bestände mit einem Sicherheitsbestand von zwei einbezogen, steigt die Online-Produktverfügbarkeit bereits von 50% auf 63%.
Bei einem Sicherheitsbestand von nur einem Artikel steigt sie um weitere 10 Prozentpunkte, von 63% auf 73%.

Der wirtschaftliche Nutzen eines gemeinsamen Bestands aus Distributionszentren und Stores wird damit immer deutlicher.
Sehen Sie in einem Store ein einzelnes pinkes Top in Größe S, erwarten Sie einen Preisnachlass. Ist dasselbe Top jedoch in 200 Stores vorhanden, reicht der Gesamtbestand aus, um Nachfrage zum vollen Preis zu bedienen. RFID schafft die nötige Bestandstransparenz, damit Sie die Ware mit einer höheren Marge verkaufen können.
Mit diesen neuen Prozessen verändert sich auch die Rolle des Stores. RFID bietet zahlreiche Funktionen, die Omnichannel-Abläufe vereinfachen. Mitarbeitende können damit schnell:
Diese neuen Aufgaben lassen sich nicht einfach nebenbei in den Store-Alltag integrieren. In größeren Stores, die häufig zu den Omnichannel-Vorreitern gehören, ist dies eine Vollzeitaufgabe.
Betrachten wir die drei häufigsten Anwendungsfälle genauer, wenn Retailer ihre Stores für Omnichannel-Abläufe nutzen.
RFID-Handheld-Reader können haptisches und akustisches Feedback geben, also vibrieren und Signaltöne ausgeben. Mitarbeitende nutzen diese Funktion, um ein bestimmtes Produkt zu suchen. Je näher sie dem gesuchten Artikel kommen, desto stärker vibriert das Gerät und desto schneller ertönen die Signale.
Das erleichtert den täglichen Store-Betrieb erheblich. Mitarbeitende finden beispielsweise schneller eine bestimmte Größe für einen Kunden oder Artikel aus einer Liste, etwa Ware, die nach Saisonende zurückgeschickt werden soll.
Bei Online-Bestellungen beschleunigt die Artikelsuche im Lagerraum das Kommissionieren und Verpacken. Besonders hilfreich ist es, einen Artikel zu finden, den man für eine Online-Bestellung bereits für nicht verfügbar gehalten hatte.
Im folgenden Video sehen Sie, wie Sie in der iD Cloud App nach Artikeln suchen können:
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Mit RFID lässt sich jedem einzelnen Artikel ein Status zuweisen.
Ein Artikelstatus zeigt an, dass für ein Produkt besondere Umstände gelten. Es könnte beispielsweise beschädigt sein, auf einer Schaufensterpuppe präsentiert werden oder an einen Dritten verliehen sein.
Rund 90% der Artikel in einem Store weisen keine Besonderheiten auf und können direkt verkauft werden. Für ein kundenorientiertes Einkaufserlebnis müssen Sie jedoch auch die übrigen 10% berücksichtigen, die mehr Aufmerksamkeit benötigen. Zusätzlich zur Information, ob ein Artikel auf der Verkaufsfläche oder im Lager liegt, liefert sein Status weiteren Kontext.
Zwei wichtige Omnichannel-Anwendungsfälle verdeutlichen den Nutzen der Statusverwaltung:
Werden Click-&-Collect-Bestellungen aus dem Distributionszentrum an den Store versendet, lässt sich dieser Status dort bereits gesammelt zuweisen.
Artikelstatus ergänzen Bestandsdaten in Echtzeit um zusätzlichen Kontext. Damit erhalten Sie die Informationen, die Sie benötigen, um Ihren gesamten geeigneten Bestand für den E-Commerce freizugeben.
Buy online, return in store (BORIS) ermöglicht Kunden, Online-Käufe in einem physischen Store zurückzugeben. Das spart Zeit und Aufwand und reduziert die Zahl der Retouren, die per Post abgewickelt werden müssen.
Mit RFID können Retailer zurückgegebene Artikel schnell identifizieren, prüfen, ob sie bei ihnen gekauft wurden, und sicherstellen, dass sie sich noch in gutem Zustand befinden. Dadurch entfallen zeitaufwendige und fehleranfällige manuelle Scan- und Sortierschritte.
RFID verbessert die Retourenbearbeitung im Store auf zwei Arten:
RFID hilft, Retourenbetrug zu verhindern, indem es detaillierte Informationen zu jedem Artikel bereitstellt, darunter die eindeutige Identifikationsnummer, das Kaufdatum und die bisherigen Standorte.
Mit diesen Informationen lassen sich Artikelbewegungen vom Kauf bis zur Rückgabe nachvollziehen. Gibt beispielsweise jemand einen nie gekauften Artikel zurück, können Retailer den Vorgang kennzeichnen und Maßnahmen gegen weiteren Betrug ergreifen.
Mit RFID lassen sich Bestände nach einer Rückgabe einfacher aktualisieren. Zurückgegebene Artikel können dadurch schnell wieder in den verfügbaren Bestand aufgenommen werden.
Damit schließt sich der Kreis zum Anfang dieses Artikels: Bestandssilos auflösen. Bei Bestandstransparenz in Echtzeit spielt es keine Rolle, wo ein zurückgegebenes Produkt verkauft wurde, ob in einem anderen Store, online oder über einen Drittanbieter.
Auch ohne RFID können Retailer eine Omnichannel-Strategie verfolgen. RFID bietet dabei jedoch erhebliche wirtschaftliche Vorteile.
Ein Artikel kann im Filialnetz noch verfügbar sein, obwohl er online ausverkauft ist. Wenn Sie Store-Bestände, Bestände aus Distributionszentren und gegebenenfalls weitere Bestandssilos zusammenführen, können Sie mehr verkaufen.
Statt Ware als Sicherheitsbestand für den E-Commerce im Store zurückzuhalten, können Sie sie online anbieten. So lässt sie sich mit höheren Margen verkaufen, während weniger unverkäufliche Restbestände und Abfall entstehen.
Stores als kleine Distributionszentren entlasten die zentralen Lager, verkürzen Transportzeiten und können die Auftragsabwicklung nachhaltiger machen.
RFID schafft die notwendige Bestandsgenauigkeit, um Bestandsdaten wieder vertrauen zu können. Dadurch lassen sich Aufteilungen, Weiterleitungen und Stornierungen von Bestellungen vermeiden.
RFID optimiert zahlreiche Prozesse im Store. Bestandszählungen werden schneller, die Artikelsuche und das Nachfüllen effizienter. Mit Funktionen wie der Statusverwaltung können Sie bestimmte Artikel vom verkaufbaren Bestand ausschließen und Ihre Omnichannel-Abläufe verbessern. Am Point of Sale beschleunigt RFID außerdem den Checkout und die Retourenbearbeitung.
RFID kann den Online-Umsatz steigern, weil mehr Produkte über digitale Kanäle verfügbar werden.
Bei Nedap helfen wir globalen Retailern, RFID erfolgreich einzuführen und zu skalieren, indem wir Bestandsgenauigkeit in Echtzeit ermöglichen, die Produktverfügbarkeit über alle Kanäle hinweg verbessern und intelligentere Abläufe unterstützen. So befähigen wir Marken, ihre Prozesse zu optimieren, ganz gleich, wo sie auf ihrer Journey stehen.

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